Capoeira Berlin e.V.

Capoeira in Berlin

Die Rugendas Gemälde


Im Jahr 1821 bereitete Georg Heirich Freiherr v. Langsdorf eine Expedition nach Brasilien vor und wünschte sich dazu die Begleitung eines Zeichners. Johann Moritz Rugendas, Zeichner und Maler (geb. am 29 März 1802 zu Augsburg, wohnhaft ab 1817 in München), nahm die angebotene Stellung mit Begeisterung an und fertigte in Brasilien eine Menge von Zeichnungen, die Menschen, Tiere und Vegetation in voller Treue abbildeten. Sie erschienen später in Europa in mehreren Ausgaben lithographiert.

Unter diesen Zeichnungen sind auch zwei Stück (siehe Abbildungen unten), die für die Capoeiristas von großer Bedeutung sind, da sie in ihren Augen einerseits die Existenz von Capoeira bereits im 19. Jahrhundert, andererseits ihren afrikanischen Ursprung belegen.

Das linke (erste) Bild

Skeptiker sehen besonders im linken Bild keine typische "Capoeira Szene" und bis zu einem gewissen Grad sind diese Zweifel berechtigt. Allein die Kampfhaltung der "tanzenden" reicht nicht als Nachweis aus. Auch das Fehlen der Capoeira - spezifischen Instrumente (siehe Abbildungen der Capoeira Instrumente dieser Internetpräsenz) wurde oftmals bemängelt. Das könnte aber lediglich der Beleg dafür sein, dass diese Instrumente später in die Capoeira Musik eingeführt wurden. Interessant wäre dabei den Stock zu betrachten, den einer der Zuschauer in die Luft schwingt (siehe unten vergrößerten Abschnitt). Hat hier Rugendas einen Berimbau mit einem einfachen Speer verwechselt?

Das rechte (zweite) Bild

Im rechten der beiden Bilder dagegen wird die Sache etwas eindeutiger. Der zwei Hauptakteure scheinen eine typische "Queixada-Armada Sequenz" auszuführen [im Vergleich siehe den Gemäldeausschnitt und eine Queixada-Armada Sequenz als Animation.(click:Start)]

Merkwürdig scheint einigen auch die Existenz eines "dritten" Akteurs, der eine "Negativa" auszuführen scheint (siehe auch hier im Vergleich den Bildausschnitt und rechts die Animation)

Die Existenz einer dritten Person in einem Capoeira Spiel, in dem nur zwei teilnehmen dürfen, wurde öfter als Gegenargument benutzt, dass es sich nämlich hier nicht um eine Capoeira Szene handelt. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass Rugendas diese Szenen nicht "fotografiert" hat, es sind also keine Momentanaufnahmen. Er hat sich sicherlich über eine längere Zeit gesessen und beobachtet. Eine natürliche Folge davon wäre, dass er mehrere Personen und nicht unbedingt die "Regeln" des Capoeira Spiels abbilden wollte, schließlich steht jedem Künstler ein gewisser Grad an Ausdrucksfreiheit zu.

Weitere Beobachtungen

In beiden Bilder sind sämtliche Akteure afrikanischer Herkunft. Im rechten Bild stellt man zusätzlich fest, dass der Veranstaltungsort, ein Gebüsch in der Nähe einer Großstadt (Salvador?) ist. Ein Hinweis vielleicht, dass da etwas "verbotenes" abläuft? Zeichen der Allgemeinen Unterdrückung des Capoeira Geschehens? Die Rugendas Zeichnungen und Gemälde sind sicherlich eine einzigartige, wunderbare Informationsquelle über den brasilianischen Alltag im 19. Jahrhundert.